John Lennon

John Lennon

Musiker, Idealist, Aktivist

Oktober 2015

John Lennon, der geniale Musiker der Beatles, war viel mehr als nur das: Er war Menschenrechts- und Friedensaktivist und Inspiration für die Ideale einer ganzen Generation. „To me it was a symbol of love and peace“, kommentierte ein Lennon-Fan nur einige Stunden nach dessen Tod vor dem Dakota. Das Appartmenthaus am Central Park, in dem Lennon mit seiner Frau Yoko Ono und ihrem gemeinsamen Sohn Sean lebte, ist bis heute Wallfahrtsort, denn vor seinem Eingang wurde John Lennon in der Nacht vom 8. Dezember 1980 von einem geistig verwirrten Fan erschossen. Kein Ereignis seit der Ermordung John F. Kennedys habe die amerikanische Öffentlichkeit so sehr erschüttert, berührt und verstört, titelte das TIME Magazine anschließend. Viele empfanden den Tod John Lennons als Niedergang ihrer eigenen Jugend, zu welcher der Musiker den Soundtrack geschrieben hatte. Viele empfanden den Tod John Lennons als Niedergang ihrer eigenen Jugend, zu welcher der Musiker den Soundtrack geschrieben hatte.

Seine Musik berührte und berührt auch heute noch immer tief, weil er viel von sich selbst hineingab. Nie hatte er Scheu, seine Verletzlichkeit zu zeigen, vor allem während seiner Solo-Karriere, nach der Auflösung der Band. Gleichzeitig liebte er die aufrichtige Direktheit von reinem und einfachem Rock’n Roll: „Come on, I’m doing Eddie Cochran, it doesn’t last long!“ hörte man ihn während der Aufnahmen von Gimme some truth scherzen, die heiser klingende Stimme der Rockabilly Legende Cochran nachahmend. Wer das Glück hatte, die Beatles bei einem ihrer furiosen Konzerte in Liverpool oder Hamburg in den Jahren 1960 und 1961 erleben zu dürfen, wird sich an sie als „die beste Rock’n Roll Band auf dem Planeten“ erinnern. Die Rebellion des Rock’nRoll lag Lennon im Blut und war Teil seiner Persönlichkeit. Bei frühen Auftritten trat er noch in Rock’nRoll typischer Lederkluft auf, bis der Manager der Beatles, Brian Epstein, die Band anlässlich der Veröffentlichung ihres Debut-Albums 1962 in Anzüge steckte und ihnen ein massenkompatibleres Image verpasste. Paul McCartney, zu diesem Zeitpunkt mit Lennon die kreative Keimzelle der Beatles, erinnert sich, wie John stets seine verhasste Brille abnahm, sobald Mädchen in der Nähe waren, obwohl er dann blind wie eine Fledermaus gewesen sei. Lennons Persönlichkeit, eine Mischung aus aufbrausendem Temperament und sensibler Empfindsamkeit, wurde stark durch den Verlust der Eltern, die ihn als Kind verlassen hatten, und den frühen Tod der Mutter geprägt. Damals war John gerade 17 und begann erst seit kurzem wieder eine Beziehung zu seiner Mutter aufzubauen, sodass ihr Tod ihn jäh erschütterte. In späteren Songs wie My Mum is dead oder Mother ist sein Schmerz darüber immer noch spürbar. In Mother singt er – inspiriert von der Urschrei-Therapie des Dr. Arthur Janov, die er gerade machte - verzweifelt „Mother, don’t go, Daddy, come home“. Wie sich einige engere Mitarbeiter des Paares erinnern, soll „Mother“ auch zum Kosename für seine sieben Jahre ältere Ehefrau Yoko Ono geworden sein, so verquer dies auch erscheinen mag. Die japanische Künstlerin Yoko Ono lernte er 1966 bei einer Ausstellungseröffnung in London kennen. Noch während der Veranstaltung soll er gesagt haben „My marriage is over, I’m in love with Yoko“ und trennte sich von seiner Ehefrau und Jugendliebe aus Liverpooler Zeiten.

Trotz der Ablehnung Yoko Onos von Fans und Medien als Grund für die Trennung der Beatles, wurden der Beatle Lennon und die ätherische, extravagante japanische Künstlerin zu einem der berühmtesten Paare des 20. Jahrhunderts. Yokos EinfIuss und Ideen ist es zu verdanken, dass Lennon die Rolle der Frau innerhalb der Gesellschaft überdachte und zu solch provokanten Songs wie Woman is the Nigger of the World inspiriert wurde. In tiefer Verbundenheit änderte Lennon, sobald das Paar 1969 geheiratet hatte, sogar seinen zweiten Namen von „Winston“ in „Ono“. Zu ihrem ersten öffentlichen Skandal sollte jedoch ein anderes Ereignis werden: Ihren auf die Hochzeit folgenden Honeymoon inszenierten sie in einem Amsterdamer Hotel als Bed-In für den Weltfrieden. Sieben Tage und Nächte lagen Lennon und Ono in weißen Pyjamas zwischen Blumen und Peace-Zeichen im Bett, während von überall auf der Welt Journalisten anreisten, um der Friedensaktion beizuwohnen. Sieben Tage und Nächte lagen Lennon und Ono in weißen Pyjamas zwischen Blumen und Peace-Zeichen im Bett, während von überall auf der Welt Journalisten anreisten, um der Friedensaktion beizuwohnen. Die weltweite mediale Aufmerksamkeit – in nur einer Woche sprach Lennon mit 250 Journalisten und 350 Radiostationen - wollten sie dazu nutzen, ihre Botschaft zu verbreiten: Give Peace a Chance. Bis heute ist der Song, den Lennon gemeinsam mit 50 Fans sowie Timothy Leary, Allen Ginsberg und Petula Clark während eines weiteren Bed-Ins in Montreal aufnahm, eine Hymne für den Frieden. Im Zuge seiner Politisierung gab John Lennon 1969 dann auch seinen britischen Verdienstorden mit den Worten „In protest against Britain’s involvement on the Nigeria-Biafra thing, against our support of America in Vietnam and against cold Turkey slipping down the charts“ an Königin Elisabeth II. zurück.

In der Folge werden die Visa-Anträge des Paares, das 1971 dauerhaft nach New York übersiedeln wollte, immer wieder abgelehnt. Laut des Einwanderungsamtes angeblich aufgrund ihrer Verhaftung wegen Drogenbesitzes in ihrem Haus am Montague Square im Jahre 1968. Der eigentliche Grund jedoch soll die Nähe Lennons zur New Left gewesen sein. Über 200 Aktennotizen legte das FBI über John Lennon an und stufte ihn prompt als „gefährlichen Extremisten“ ein, den man der Finanzierung einer Kampagne gegen die Wiederwahl von Präsident Nixon verdächtigte und den es daher unter strenger Beobachtung zu halten gelte. Der Kampf für eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung in den USA zog sich über Jahre hin, bis der Bürgermeister der Stadt New York John Lindsey sowie Henry Kissinger sich für John Lennon und Yoko Ono einsetzten. Hinzu kam in dieser schwierigen Zeit eine 18-monatige Trennung des Paares, während welcher Lennon mit Harry Nilsson in Los Angeles – aus Angst er könne nach einer Ausreise nicht zurückkehren – die Nächte durchzechte. Mit der Geburt des gemeinsamen Sohnes Sean im Jahre 1975 hatte Lennon sein Leben neu ausgerichtet und lebte ein privateres und politisch weniger aktives Leben. Im November 1980, einen Monat vor seinem Tod, veröffentlichte er sein letzte Platte Double Fantasy, darauf Songs wie Starting Over.

John Lennon hielt sich selbst nie für einen Heiligen oder Märtyrer und es war nie seine Absicht, anderen Vorschriften in politischen oder Lebensfragen zu machen. Ebensowenig mochte er Menschen, die dies taten. In schlechter Erinnerung war ihm der Maharishi geblieben, der ihn und die anderen Beatles in der Mediation unterrichtet hatte. Weil Lennon sich nicht gemäß der Lehren des Maharashi verhalten habe, hatte dieser ihn fallen gelassen. Im Gegensatz dazu sollten sich die Menschen an seine Botschaft von Liebe und Frieden erinnern und dazu ermutigt werden, sich ihre eigenen Gedanken zu machen. „Make your own dream. [...] Don’t expect Jimmy Carter or Ronald Reagan or John Lennon or Yoko Ono or Bob Dylan or Jesus Christ to come and do it for you. You have to do it yourself. [...] I can’t wake you up. You can wake you up“.

Text: Chiara Meattelli, Deutsche Übersetzung: Rebecca Novosel