To Smoke or Not to Smoke

To Smoke or Not to Smoke

The Image of Smoking

November 2015

Das Rauchen ermöglicht einem Raucher nicht nur eine Ruhepause von seinen Alltagssorgen, sondern auch einen kurzen aber nicht minder zufriedenstellenden Rückzug aus der lärmenden Welt um ihn herum. Rauchen ist kontemplativ aber auch kommunikativ. Dabei beschränkt sich die Interaktion nicht auf den kurzen Plausch, ausgestoßener Raucher vor Bars oder Bürogebäuden. Als Raucher ist man in der Lage durch den bloßen Akt des Rauchens entweder subtile oder deutliche Botschaften auszusenden. Was geraucht wird und vor allem wie es geraucht wird, verrät so einiges darüber wie man sich der Welt präsentieren will. Haben Sie jemals Ihre Aufmerksamkeit darauf gelenkt, wie Raucher ihre Zigaretten halten?

Der Legende nach soll Winston Churchill den Havanas während seiner Zeit auf Kuba verfallen sein und im Verlauf seines Lebens 200.000 Stück davon geraucht haben, wobei er die meisten der Zigarren mehr aufgekaut denn aufgeraucht hat.

Es gibt mindestens sechs verschiedene Arten, eine Zigarette zu halten. Jede einzelne erzählt eine andere Geschichte und sendet eine andere Botschaft. James Fitzgerald schreibt dazu in seinem Buch „The Joys of Smoking Cigarettes“: „Menschen sprechen, Menschen gestikulieren, Menschen lehnen die Welt ab, lassen sich auf sie ein, akzeptieren sie oder drücken ihre Anerkennung durch die Art und Weise aus wie sie ihre Zigaretten rauchen“. Der Autor identifiziert hierbei unterschiedliche Typen von Rauchern, wie zum Beispiel den James Dean-Typ: Der James Dean-Typ hat stets eine Zigarette in der Hand, einfach weil es seiner Natur entspricht. Er muss eine Zigarette halten. Sonst wäre das Image des harten Kerls ohne Lebensversicherung und einem kläffenden Köter auf der Rückbank seines Pick-ups nicht vollständig. Oder nehmen Sie den Typus des Schriftstellers: Ein Schriftsteller rauche „[...] meist Nachts und draußen, und vor allem, ganz für sich allein“.

Bevor der heute verstorbene Helmut Schmidt, ehemaliger deutscher Bundeskanzler und berühmt-berüchtigter Raucher, seine legendäre Angewohnheit im Alter von 96 Jahren aufgeben musste, war er bekannt dafür während Fernsehinterviews und Talkshow-Auftritten unentwegt zu qualmen, wobei er den Rauch bevorzugt in die Richtung seines Gegenübers blies. Es kümmerte ihn herzlich wenig dass das Rauchen in Deutschland aus öffentlichen Gebäuden - und natürlich auch aus Live-Sendungen des Fernsehens – verbannt worden war und provozierte damit zahlreiche Beschwerden von Nichtraucherschutzvereinen. „Ich rauche überall, außer in der Kirche“, soll er vermeintlich darauf erwidert haben. Auf die Frage was ihn in seinem hohen Alter mental fit halte, antwortete er „viele, viele Zigaretten“. Winston Churchill, militant rauchender Politiker britischer Premierminister, wurde selten ohne Zigarre in der Öffentlichkeit gesehen. Der Legende nach soll er den Havanas während seiner Zeit auf Kuba verfallen sein und im Verlauf seines Lebens 200.000 Stück davon geraucht haben, wobei er die meisten der Zigarren mehr aufgekaut denn aufgeraucht hat. „Meine Lebensregel unterliegt einem unumschränkten geheiligten Ritual, dem Zigarre-Rauchen und dem Alkoholgenuss vor, nach und bei Bedarf während aller Mahlzeiten sowie dazwischen“, kommentierte Churchill seine Angewohnheiten. Unbestritten prägte er damit das Bild des mächtigen, Zigarre rauchenden Mannes, welches uns zu der Frage nach der Männlichkeit bzw. Weiblichkeit des Rauchens führt.

Das Image rauchender Frauen war immer schon schwierig. Zigarren, Zigaretten und Pfeifen stehen seit jeher ikonografisch für Männlichkeit und männliche Macht. Zigarren, Zigaretten und Pfeifen stehen seit jeher ikonografisch für Männlichkeit und männliche Macht. Rauchen wird als nicht besonders feminin erachtet, außer die Zigarette wird gezielt dazu genutzt einer Frau ein aufreizenderes Image zu verschaffen. Die CBC fragte 1962 Männer auf den Straßen Londons für eine Radiosendung danach, ob sie sich in der Öffentlichkeit mit einer Pfeife rauchenden Frau zeigen würden oder nicht. Alle Befragten fanden die bloße Vorstellung einer Frau, die Pfeife raucht, entsetzlich und unnatürlich. Eine Frau mit Zigarre hingegen schien für die befragten Männer völlig in Ordnung zu sein. Die einzige Frau, die im Rahmen der Umfrage zu Wort kam - die Besitzerin eines Pfeifen- und Tabakladens – kam zu dem Schluss dass Bärte und Pfeifen eben nur etwas für Männer seien.

Die Besitzerin eines Pfeifen- und Tabakladens kam zu dem Schluss dass Bärte und Pfeifen eben nur etwas für Männer seien.Fotos von Zigarette oder Zigarre rauchenden Persönlichkeiten, Künstlern oder Politikern haben heute Seltenheitswert. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes Vintage. Wenn man heute - aus welch absonderlichen Beweggründen auch immer - Fotos von Zigarette oder andere Dinge rauchenden Berühmtheiten sehen möchte, müsste man sich schon auf eine dieser Paparazzi-Webseiten begeben, auf denen peinlich berührte Stars zur Schau gestellt werden, die sich verschämt zu verbergen suchen, um einzuatmen, was nicht beim Namen genannt werden darf. Keine Person des öffentlichen Lebens, sei es aus Politik oder Kultur, würde heutzutage leichtfertig mit irgendeiner Tabakware in der Hand vor eine Kamera treten, um damit stolz und mit einem gewissen Sendungsbewusstsein ihre Kunstfertigkeit, ihre Macht (na, wer hat die größere Zigarre?) oder einfach nur ihre Lebensfreude zu demonstrieren. Weder in Filmen noch im Fernsehen wird heute noch geraucht. Und seit K.D. Langs Album Drag wurde kein bedeutender Song mehr über das Rauchen gesungen. Jedenfalls nicht so schön.

Das Rauchen steht in einer langen künstlerischen Tradition, aber die Geschichte des Rauchens in der Pop-Kultur steht vor ihrem Ende. Was einst ein Symbol für Kreativität, für das Intellektuelle oder das Rebellische war, steht heute für Krankheit, Mangel an Selbstdisziplin oder schlechtes Benehmen. Kurzum, für etwas das unbedingt aus allen Bereichen unseres durchoptimierten öffentlichen Lebens verbannt werden muss. Glücklicherweise gibt es noch Vintage-Fotografien, die uns in eine glamourösere, weniger glanzlose Zeit entführen.

Text: Julia Pörtner, Deutsche Übersetzung: Rebecca Novosel