Will you be my Valentine?

Will you be my Valentine?

Über Irrungen und Wirrungen der Liebe

Februar 2016

Camilla Parker Bowles, die heutige Herzogin von Cornwall, wird einer der besten Anmachsprüche der jüngeren Geschichte zugeschrieben. Angeblich soll sie, um ihr Interesse an Charles zu bekunden, zu ihm gesagt haben: „Meine Ur-Großmutter und dein Ur-Großvater hatten eine Affäre. Wie wär’s?“ Es dauerte anschließend nur etwas mehr als 30 Jahre bis zu ihrer Hochzeit im Jahr 2005. Gunter Sachs ließ einst Tausende Rosen aus einem Helikopter auf Brigitte Bardots Anwesen regnen. Liz Taylor und Richard Burton lernten sich bei den Dreharbeiten zu 'Wer hat Angst vor Virginia Woolf' kennen, ein Film, der rückblickend wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung ihrer späteren stürmischen Beziehung anmutet. Einige der berühmten Paare in dieser Serie wurden zu ikonischen Liebespaaren. Wahnsinnige Liebe, verlorene Liebe, schief gelaufene Liebe. Aber was ist Liebe? What is love, Baby don’t hurt me, don’t hurt me....ähm, Verzeihung. Anlässlich des sich nahenden Valentinstages wollen wir einen näheren Blick auf die Liebe werfen.

Ist Liebe das wert? Vielleicht in diesem Bruchteil einer Sekunde, in dem Zeit und Raum verschwimmen, weil der Mensch, zu dem man eine besondere Zuneigung gefasst hat, einen unerwartet ansieht und lächelt. Wahnsinnige Liebe endet entweder in einer undankbaren Ehe oder dem Tod. Das ist der – seien wir mal ehrlich - nicht sehr überraschende Schluß, zu dem eine aktuelle Studie über Liebesromane aus dem 19. Jahrhundert kommt. Man kann nur Mitleid haben mit der armen Doktorandin der Universität von Toronto, die sich, nachdem sie fünf Jahre damit verbracht hat die Muster viktorianischer Liebesgeschichten zu analysieren, wahrscheinlich dazu entscheiden wird, den Rest ihres Lebens in der Gesellschaft von Katzen zu verbringen. Was nicht die schlechteste Wahl wäre.
Laut dieser Studie werden unsere heutigen Vorstellungen der Liebe und davon, wie sie sich anfühlen sollte, von Romanen wie 'Das Porträt einer jungen Dame' von Henry James oder Charlotte Brontës 'Jane Eyre' geprägt. Die Handlung könnte einfacher nicht sein: Junge trifft Mädchen, sie verlieben sich Hals über Kopf, Mädchen gibt ihren Verstand an der Garderobe ab (wir nehmen vorerst an, dass der männliche Verstand intakt bleibt), auftauchende Hindernisse bedrohen das junge Glück, Junge verliert das Mädchen, Junge gewinnt sie zurück, sie heiraten. Ende (mit hier und da herumgeisternden irren Frauen in den Mansarden). Manchmal gibt das Mädchen ein scheues Stöhnen von sich und fällt daraufhin bereits vor der Ehe in Ohnmacht, was desaströse, gar fatale Folgen hat. Oder der Typ kann sich nicht zwischen zwei Frauen entscheiden (meist ist eine von ihnen eine entfernte Cousine), entschließt sich zur Flucht (Synonym für „verreisen“) und lässt einen Pfad der Zerstörung zurück, während Bae sich vor der Welt in das elterliche Zuhause zurückzieht und trinkt. Ok, es ist immer noch das 19. Jahrhundert also kein Trinken, aber viele Tränen. Kommt einem bekannt vor, nicht?

Mainstream Hollywood hat jahrzehntelang aus eben solchen Handlungen geschöpft. Die Filmmetropole und die glitzernden Celebrity-Pärchen, die diese Industrie hervorgebracht hat, haben viele unserer heutigen Vorstellungen über die Liebe geformt. Hollywood und die glitzernden Celebrity-Pärchen, die diese Industrie hervorgebracht hat, haben viele unserer heutigen Vorstellungen über die Liebe geformt.Interessanterweise sind es fast ausschließlich die wilden Anfänge oder skandalösen Enden von Liebesbeziehungen, oder eben Ehen, die einschlägige Liebesromane, romantische Komödien und Klatschblätter in ihren Bann schlagen. Keiner erzählt von der Durchschnittlichkeit der Liebe, den alltäglichen Kämpfen oder den seltenen atemberaubenden Momenten, die alles am Leben erhalten. Nur Gwyneth Paltrow hatte den Mumm das Ende ihrer Ehe mit Chris Martin öffentlich als Akt des „conscious uncoupling“, des bewussten Entzweiens zu erklären. Keinerlei Drama, offenbar. Damit kann man nichts anfangen. Kein Drama? Ernsthaft? Schließlich haben sie sich getrennt. Seltsam. Wir wollen das Drama, weil unsere Vorstellungen von der Liebe von Geschichten geprägt sind. Und „conscious uncoupling“ gibt nun wirklich keine gute Story ab.

Auf wen ist also dieser Wahnsinn zurückzuführen? Platon natürlich, wer sonst? Dank des antiken griechischen Philosophen streifen immer noch Millionen von Menschen umher, stets auf der Suche nach der einen, sie ergänzenden Hälfte. Am Valentinstag neigen sie dazu, sich mit Grußkarten, Blumen und Schokolade zu bewaffnen. Aber Vorsicht! Es herrscht Zombie-Alarm da draußen. Wenn man mit Mitte 20 nicht unter der Haube ist, ist man ein hoffnungsloser Fall, der schon bald von seinen Katzen gefressen wird. Aber wie gesagt, es gibt Schlimmeres. Wie dem auch sei, so lange die eigenen Ideen von Liebe und Romantik zu den aktuellen Konventionen passen, wird alles gut. Immerhin treten heutzutage sogar die flamboyantesten homosexuellen Paare vor den Traualtar. Finde einen Partner, heirate, kaufe ein Haus, bekomme ein paar Kinder, und dann? Richtig: Ehebruch.
Dank des antiken griechischen Philosophen Platon streifen immer noch Millionen von Menschen auf der Suche nach der einen sie ergänzenden Hälfte umher.
1809 erscheint die erste Novelle der Literaturgeschichte, die vom Ehebruch handelt und löst einen mittelschweren Skandal aus. Goethes 'Wahlverwandtschaften' erzählt die Geschichte eines aristokratischen Paares, Eduard und Charlotte, das sich - einst schwer verliebt – so dermaßen in seiner Ehe langweilt, dass es beginnt exzessiv zu gärtnern und dann beschließt, den Hauptmann (ein alter Freund Eduards) und Ottilie (Charlottes Nichte) bei sich aufzunehmen. Zugegeben, das hört sich ein bisschen nach Swingerclub an. Ottilie und Eduard verlieben sich in einander und der Hauptmann wirft ein Auge auf Charlotte. Die Einzigen jedoch, die sich wirklich hingeben (heißt ehelichen Verkehr haben) sind Eduard und Charlotte, wobei sie an ihre jeweiligen Angebeteten denken.
Polyarmorie war im 19. Jahrhundert nicht angesagt, obgleich einige der deutschen Romantiker die Ehe zu Viert propagierten. Scheidung kam nicht in Frage. Die einzige angemessene Lösung aus dieser wahnwitzigen Liebe war, und hier sind wir wieder, der Tod. Beide, Eduard und Ottilie, sterben am Ende an gebrochenem Herzen. Oder bloß an Wahnsinn. Das hängt ganz von der Interpretation ab.
Liebe kommt und geht. Und dann kommt sie zurück. Sie ist interessant und langweilig. Sie macht glücklich. Sie ist aufregend und schmerzhaft. Sind diese widersprüchlichen Gefühle all das wert? Wer weiß. Vielleicht in diesem Bruchteil einer Sekunde, in dem Zeit und Raum verschwimmen, weil der Mensch, zu dem man eine besondere Zuneigung gefasst hat, einen unerwartet ansieht und lächelt. Am Ende läuft es darauf hinaus: Die Leute müssen lockerer werden, wenn es um die Liebe geht. Nicht durchdrehen! Schönen Valentinstag!

Text: Julia Pörtner, deutsche Übersetzung: Rebecca Novosel